Ein Leben für den Motorsport

Ein Leben für den Motorsport
5. Mai 2019 Peter Becke

Quelle: PORSCHE SCENE Stories / Reportagen
Text: Thomas Borowski
Fotos: Heinz-Peter Keller (BM)

Schon als 20-Jähriger betrieb Peter Rust Motorsport. Der 74jährige Goldschmied aus Essen fuhr Steyr-Puch, DKW Junior und NSU TT, bevor er vor 19 Jahren auf Porsche umstieg. Unter der Haube seines roten 911 T 2.2 im Rallye-Trimm werkelt ein originales, aber optimiertes 2,7-RS-Triebwerk mit 228 PS Leistung und ein Spezialauspuff sorgt dafür, dass dieser Porsche nicht zu überhören ist.

Als Peter den Elfer kaufte, zahlte er weniger als 20.000 Euro. Ursprünglich war in dem 1971er Auto ein 2,2-Liter-Boxer verbaut. „Den Originalmotor und das Getriebe habe ich noch“, erzählt er. Viel Geld floss in den Umbau als Rallyefahrzeug. Verbaut wurde ein Bilstein-Fahrwerk des RS-Modells, eine vordere Domstrebe und ein Wiechers-Überrollkäfig. Statt der ursprünglich serienmäßigen 1020 Kilo wiegt das Coupé seitdem nur 920 Kilo. Im Innenraum kommt ohne Teppiche aus, dafür sind Sparco-Rennsportsitze, 4-Punkt-Sicherheitsgurte und ein Momo-Lenkrad montiert.

Bei der Eifelrallye holte der Porsche-Fan sich vor fünf Jahren den Gesamtsieg, bei der AvD-Heldentour 2000 Kilometer durch Deutschland fuhr er immerhin auf Rang 2. Peter startet bei der Sachsen Classic, der Eifel Classic, der Rally Isla Mallorca und der Tegernsee-Rallye. „Gefahren bin ich unter anderem auf dem Nürburgring inklusive der Nordschleife, in Spa, Zolder, Zandvoort, Oschersleben, auf dem Sachsenring und am Bilster Berg“, berichtet er. 1974 erhielt er die begehrte C-Lizenz – damals auf Fiat 128.

Der schnelle Goldschmied traf bekannte Rennfahrer – und nutzte die Rennkontakte auch geschäftlich. In den 1970er Jahren übernahm er die Cartier-Vertretung, später kamen Uhren von Heuer und anderen Edelmarken dazu. Peter begann, bei Rennen am Nürburgring seine Uhrenkollektion anzubieten. Was mit einem kleinen Stand neben einer Bratwurstbude begann, mündete schließlich in Vitrinen im Dorint-Hotel. Peter verkaufte Uhren an Formel-1-Pilot Nico Hülkenberg, an Klaus Ludwig, Schumi-Manager Willi Weber, Rennfahrer Uwe Alzen, Harald Grohs, an RTL-Sportmoderator Willy Knupp und unzählige andere. Bei Rennterminen stand dafür stets eine Suite im Dorint-Hotel für Kundengespräche und exklusive Uhrenanproben bereit. Noch heute kursieren wilde Geschichten über Partys in einem Zelt unter der Discokugel – mitten in der Hotelsuite. Noch immer sieht man Peter beim Oldtimer GP und anderen Gelegenheiten am Nürburgring und in der beliebten Cockpitbar. Wir trafen ihn in seinem Uhren- und Schmuckgeschäft in Essen, wo er sich auf eine Rallye auf Mallorca vorbereitet.

Gebaut wurden insgesamt 1580 originale RS, doch unterwegs sind schätzungsweise rund 4500. Wie das? Es sind schlicht und einfach unglaublich viele sehr gute Kopien unterwegs. So, wie der rote Elfer von Peter. Damals wie heute liefert ein mehr als vier Jahrzehnte alter Carrera RS 2.7 hervorragende Fahrleistungen. Als Hochleistungsmodell und Stilikone gehört er zum automobilen Tafelsilber. Das macht ihn begehrt und wertvoll.

Es ist die Mischung aus technischer Kompetenz gepaart mit der Reduzierung aufs maximal Nötige, die den Über-Elfer auszeichnet. Der Carrera RS markiert die höchste Eskalationsstufe des frühen 911. Die Idee des hoch drehenden Saug-Boxers lebt kaum einer so konsequent wie er. Und dass er trotzdem im vierten Gang mit 50 km/h durch die Rushhour bummeln kann, macht ihn nur noch begehrenswerter.

 

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